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Sentinel-3 SLSTR — die europäische Zweitmeinung

Sentinel-3 liefert Detektionen, die im amerikanischen Bezugsweg gar nicht auftauchen. Der Preis ist ein dünner Attributsatz — und daraus folgt eine klare Lesart der Punkte auf der Karte.

Betreiber
ESA · EUMETSAT (Copernicus)
Träger
Sentinel-3A · Sentinel-3B
Instrument
SLSTR
Beobachtungsfenster
rund 19–21 UTC
Latenz
2–3 h nach Überflug
Bezug
GWIS, Copernicus EMS

Warum ein vierter Feuersensor

FIRMS führt Sentinel-3 nicht. Der Copernicus-Dienst GWIS speist die SLSTR-Detektionen jedoch in seine Hotspot-Ebenen ein — und genau von dort übernimmt SAMOWESP ausschließlich Sentinel-3.

Die Beschränkung ist kein Detail, sondern Bedingung der Richtigkeit: alle anderen Satelliten liefert FIRMS bereits mit vollem Attributsatz. Eine zweite, attributlose Kopie derselben Detektionen unter anderer Kennung würde jede Zählung im Lagebild verdoppeln. Der Gewinn ist ein zusätzliches Beobachtungsfenster aus einer zweiten, unabhängigen Betreiberkette.

Was fehlt, und wie SAMOWESP damit umgeht

Die GWIS-Hotspots tragen nur Kennung, Zeitpunkt und Klasse. Es gibt keine Feuerstrahlungsleistung, keine Konfidenz, keine Helligkeitstemperatur und kein Tag-Nacht-Kennzeichen.

SAMOWESP lässt diese Felder leer, statt sie zu erfinden. Die Konfidenz wird als „nominell" geführt — dieselbe Hauskonvention, mit der auch unlesbare VIIRS-Werte behandelt werden. Das Tag-Nacht-Kennzeichen leitet die Schnittstelle aus dem Sonnenstand ab und weist diese Ableitung im Antwortkopf ausdrücklich aus, damit niemand sie für eine Sensorangabe hält.

Die Unterscheidung zwischen Sentinel-3A und -3B bleibt allein über die GWIS-Kennung rekonstruierbar; in der Datenbank stehen beide als Sentinel-3.

Grenzen

Ohne Feuerstrahlungsleistung sind Sentinel-3-Punkte auf der Karte immer die kleinsten: die Kreisgröße rechnet über die Intensität, und die fehlt hier. Eine solche Detektion sieht damit unabhängig vom tatsächlichen Feuer aus wie ein schwaches. Für die Lagebeurteilung heißt das: die Sentinel-3-Punkte sagen WO, nicht WIE STARK. Sichtbar wird der Unterschied im Detailfeld, das den Sensor nennt. Für eine Priorisierung nach Feuerintensität bleibt FIRMS unverzichtbar.

Hinzu kommt die Tageszeit: die SLSTR-Feuerdetektionen sind praktisch reine Nachtüberflüge, gemessen zwischen 19 und 21 Uhr UTC. Sie schließen also ein Fenster, das VIIRS ohnehin bedient, und nicht die Nachmittagslücke.

Eine Archivfalle gehört dazu: der gleichnamige EFFIS-Layer ist ein eingefrorenes Archiv mit Stand September 2019 bis Oktober 2021 und darf nie in den Livebetrieb. SAMOWESP liest deshalb ein rollierendes Wochenfenster.

Das Tagesbild

Neben den Punkten führt SAMOWESP das OLCI-Tagesmosaik von Sentinel-3A und -3B als Bildebene — 0,06 Grad, rund sechs Kilometer. Es ist das gröbere europäische Gegenstück zum VIIRS-Tagesbild, stammt aber aus einer anderen Betreiberkette: zeigen zwei unabhängige Ketten dieselbe Rauchfahne, ist sie keine Verarbeitungsfrage.

Als Rasterebene führt SAMOWESP SLSTR dagegen bewusst nicht, obwohl der Dienst sie anbietet. Es sind Einzelstreifen im Abstand von einer Stunde und vierzig Minuten: über dem Arbeitsgebiet ist die Ebene fast immer leer, und wenn sie belegt ist, zeigt sie dieselben Detektionen, die bereits als Punkte in der Karte stehen. Eine zweite, gröbere Darstellung derselben Sache hätte den Zähler verdoppelt, ohne eine neue Aussage zu machen.

Quellen

GWIS, Copernicus Emergency Management Service (JRC), CC BY 4.0 — bearbeitet · Sentinel-3-Tagesbild: modifizierte Copernicus-Sentinel-Daten (ESA), verarbeitet von EUMETSAT · eigene Messungen, 3. August 2026

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